Ein Plädoyer für mehr Handlungsfreiheit und Eigenverantwortung am Arbeitsplatz

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Mehr Handlungsfreiheit

Ich habe bereits an anderer Stelle in diesem Blog unter der Überschrift Unser Weg zum Erfolg in fünf Leitsätzen darüber gesprochen, dass wir bei netspirits unter anderem deshalb erfolgreich sind, weil wir auf eine innovationsfreundliche, flexible Organisationsstruktur setzen. Wir legen Wert darauf, unseren Mitarbeitern Handlungsspielräume einzuräumen, innerhalb derer sie individuelle Ideen entwickeln, sich mit Kollegen austauschen und eigenverantwortlich Projekte umsetzen können. Ich vergleiche unsere Online-Marketing-Agentur in Hinblick auf Ihre Organisation mit einem Baum, der wachsen kann: Mitarbeiter müssen sich und ihre Ideen vor dem Hintergrund einer soliden Ressourcenbasis entwickeln können. Kappt man die neuen Triebe, wächst der Baum nicht. Übrig bleiben verholzende Triebe. Und stark verholzte Zellen sterben ab. Oder übersetzt: Werden neue Ideen im Keim erstickt, ist Innovation unmöglich und das verhindert nicht nur Wachstum, sondern führt letztlich auch zum Absterben jeder noch so viel versprechenden Online-Marketing-Agentur. In kaum einer anderen Branche ist das kreative Potenzial aus den eigenen Reihen von so großer Bedeutung. Das ist für mich als leidenschaftlichen Online-Marketeer ein Grund mehr, mich an der aktuellen Diskussion rund um den sogenannten „Arbeitsplatz der Zukunft“ mit einem Plädoyer für Handlungsspielräume und Eigenverantwortung zu beteiligen.

Digitalisierung und Globalisierung verändern die Arbeitswelt 

Im Zeitalter von Internet, Globalisierung und pluralistischen Gesellschaftordnungen wird die Welt zunehmend komplexer und das mit rasant steigendem Tempo. Das betrifft selbstverständlich IT-Unternehmen und IT-affine Branchen, wie zum Beispiel das Online-Marketing, in besonderem Maße: In keinem anderen Bereich dürften Produktlebenszyklen kürzer sein. Gestern neu, morgen alt! Es hilft also wenig, vor steigendem Tempo und steigender Komplexität in der Arbeitswelt die Augen zu verschließen. Gerade in diesen Branchen brauchen wir den Mut, neue Wege zu gehen und neue Arbeitsplatzkonzepte auszuprobieren, um tatsächlich durch Innovationen mit dem Wandel Schritt halten zu können.

Kreative Arbeitsplatzkonzepte bei Google und IBM: Zu viel Flexibilität und zu wenig Struktur? 

© Google Inc.
© Nikos Roussos

Als Beispiele für den Arbeitsplatz der Zukunft und beeindruckende Innovationsschmieden werden in der Presse oft Google und IBM angeführt. Dabei scheinen die Vorstöße der IT-Giganten, mit neuen und flexibleren Konzepten auf den Wandel zu reagieren und Kreativität am Arbeitsplatz zu fördern, noch eher mit Belustigung oder Misstrauen betrachtet zu werden: Zu wenig Strukturen, zu viel Flexibilität. Als zu „Wohlfühloasen“ mit „Entspannungsräumen“ und „Massageliegen“ umgebaute Büros bezeichnete beispielsweise die Wirtschaftswoche das Google Forschungs- und Entwicklungszentrum Zürich  überspitzt mit Hinweis auf eine „Rutschbahn in der Kantine“ (Quelle: wiwo). So richtig ernst scheint der Autor dieses Artikels das Google-Konzept nicht nehmen zu können: Derartige eindeutig mit Freizeit, Entspannung und Spaß assoziierten Maßnahmen gehen für viele als Lösung eines Kreativitätsproblems bei der eigenen Belegschaft zu weit. Das Handelsblatt schickte IBM mit einem flexiblen Arbeitsplatzsystem ins Rennen um den innovationsverdächtigsten Arbeitsplatz der Zukunft. Der Trend zu mehr Flexibilität und Kreativität wird in dem Artikel durchaus kritisch betrachtet: Zu kreativ gestaltete Arbeitsplätze und zu wenig klare Strukturen und Arbeitsabläufe könnten sich auf manche Mitarbeiter eher störend auswirken (Quelle: Handelsblatt). Wenn aber solche Konzepte für kreativitätsfördernde Arbeitsbedingungen als zu weit gehend oder zu flexibel kritisiert werden, wie sieht dann das richtige Maß von möglicher Flexibilität und Freiheit im Spannungsverhältnis zu nötiger Struktur und Disziplin am Arbeitsplatz aus?

Kreativität ist ein dynamischer Prozess und braucht beides: Freiräume und Disziplin

Die Antwort ist ebenso kurz, wie sie für viele unbefriedigend sein mag: Es gibt kein standardisierbares Gardemaß! Das kann es auch nicht geben, weil Kreativität ein Entwicklungs- und Lernprozess ist, der je nach Phase sowohl Freiräume als auch konsolidierende Ordnung braucht. Dass das optimale Gleichgewicht zwischen Freiraum und Struktur dabei immer wieder individuell ausbalanciert werden muss, wissen wir bei netspirits aus unserer alltäglichen Arbeit.

Aber auch neue wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen das: Der Heidelberger Professor und Kreativitätsforscher Holm-Hadulla hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, in der er Kreativität als einen Prozess der dynamischen „Neuformierung von Informationen“ beschreibt, in dem zusammenhängende Strukturen gebildet und wieder aufgelöst werden. Dieser Prozess sei oft mit Spannungszuständen verbunden und benötige Freiräume, in denen Gehirn und Psyche ungestört von äußeren Reizen arbeiten können. Der Wissenschaftler empfiehlt für die Förderung von Kreativität in der Praxis die Entwicklung von Toleranz für „geduldiges Lernen, bei dem ein kreativer Schub nur ansatzweise zu spüren ist“. Spannungen, die im kreativen Prozess entstünden, würden erträglicher in einer fördernden Umgebung, die das eigene Tun emotional verstärke und interessiert anerkenne. Dabei müsse aber das rechte Verhältnis von Disziplin und Freiheit im kreativen Prozess immer wieder neu gefunden werden (Quellen: Universität Heidelberg & Marsilius- Kolleg).

Schöpferische Prozesse sind ein Balanceakt : Optimales Gleichgewicht nur mit Flexibilität

Schöpferische Prozesse  – als spannungsreiches Wechselspiel zwischen Bildung von Strukturen und ihrer Auflösung, zwischen Stabilität und Labilität und zwischen Disziplin und Freiheit – sind ein Balanceakt. Für die richtige Balance ist es wichtig zu verstehen, dass die Justierung des Gleichgewichts mehr Flexibilität braucht, als sie ein starrer Standard bieten kann. [selectivetweet]Kreativität ist ein Balanceakt – das optimale Gleichgewicht erfordert Flexibilität[/selectivetweet]Wer kreative Prozesse in seinem Unternehmen fördern möchte, muss als Unternehmer selbst bereit sein, sich auf das variable Wechselspiel von Strukturbildung und -auflösung und die damit verbundenen Spannungen, Bedürfnisse und Risiken einzulassen.

Forderungen von Unternehmerseite nach mehr Kreativität der Mitarbeiter können sich nur erfüllen, wenn auch tatsächlich Handlungsspielräume eingeräumt werden, in denen diese Neuformierungs- und Lernprozesse stattfinden können. Für die Arbeitswelt der Zukunft bedeutet das ein Umdenken, und zwar weg von starren Strukturen und genrealisierbaren Standards hin zu mehr individuellen Freiräumen, Flexibilität und Eigenverantwortung.

No risk, no fun!

Vielleicht sind die Konzepte, die Unternehmen wie Google und IBM zur Schaffung von mehr Freiräumen und Flexibilität in ihren Standorten umsetzen, kein Allheilmittel gegen einen Kreativitätsmangel und für viele andere Unternehmen so nicht zu verwirklichen. Aber es sind neue Wege, die eine aufgeschlossene Betrachtung verdienen. Wenn wir uns als Arbeitgeber mehr Kreativität bei unserer Belegschaft wünschen, müssen wir nicht nur verstehen und tolerieren, wie schöpferische Prozesse funktionieren. Wir müssen auch selbst kreativ in der Entwicklung von Arbeitsplatzkonzepten sein und Neuformierungsprozesse durchschreiten. Die damit verbundenen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten müssen wir in Kauf nehmen, denn sie gehören zur Innovation wie die Späne zum Hobeln.[selectivetweet]Arbeitsplatz der Zukunft: Kreativität braucht Mut zum Risiko[/selectivetweet]

Wirkliche neue Wege zu gehen, bedeutet immer, auch ein Risiko einzugehen. Bei netspirits wagen wir das Experiment: Wir vertrauen in die Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung unserer Mitarbeiter und geben ihnen Raum für neue Ideen, Entwicklungen und Projekte. Dabei sind wir bereit, auf Veränderungen flexibel zu reagieren und unterwerfen die individuellen Ideen, Ansätze und Bedürfnisse unserer Mitarbeiter nicht zwingenden Standards. netspirits braucht – wie jedes andere Unternehmen auch – Strukturen. Aber die sind nicht in Stein gemeißelt.

Eigenverantwortung, Flexibilität und Austausch geben den Rahmen

Selbstverständlich hat jeder Mitarbeiter in unserer Agentur grundsätzlich seinen inhaltlich festgelegten Aufgabenbereich. Innerhalb dieses Bereichs kann er – oder sie  – eigenverantwortlich arbeiten. Wir bieten Freiräume an, die bei Bedarf genutzt werden können, zwingen sie aber nicht auf. Das betrifft sowohl die zeitliche Organisation der Aufgaben als auch die inhaltliche.

  • Raum für individuelle Balance
    Wir geben unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie und mit welcher zeitlichen Einteilung sie an ihre Aufgaben herangehen. Ob sie einen Home-Office-Tag einschieben, einen Außentermin beim Kunden für erforderlich halten, am liebsten am frühen Morgen arbeiten, am leistungsfähigsten am Abend sind oder sich festgelegte tägliche Bürozeiten wünschen: Mit klarer Absprache und dank moderner Vernetzung lassen sich diese individuellen Bedürfnisse und Entscheidungen jederzeit ohne Probleme in den Geschäftsalltag integrieren. Für den einzelnen Mitarbeiter bedeutet dieser Raum, in dem er den für sich besten Weg zur erfolgreichen Erledigung einer Aufgabe finden kann, dass er das für die konkreten Anforderungen optimale Verhältnis von Muße und Freiheit auf der einen und Spannung und Disziplin auf der anderen Seite individuell einpendeln kann. Und das ist sehr förderlich für den kreativen Prozess.  @ Google
  • Kommunikative Unterstützung
    Entwickelt ein Mitarbeiter neue Ideen und Projekte, wird er damit nicht allein gelassen. Der Austausch mit und das Feedback von Kollegen oder Vorgesetzten ist durch eine Politik der offenen Türen jederzeit möglich. Zusätzlich unterstützen wir diese kommunikativen Prozesse durch regelmäßige Meetings. In diesem Rahmen können unsere Mitarbeiter ihre neuen Ideen ausprobieren und zur Diskussion stellen. 

Mit Flexibilität, Eigenverantwortung und Austausch schaffen wir wichtige Rahmenbedingungen, die kreativen Prozessen zuträglich sind. Ein Rahmen steht aber ohne gesundes Fundament nicht stabil und kann das gewünschte Gebäude nicht tragen. Wir bei netspirits gehen davon aus, dass sich eine innovationsfreundliche Unternehmenskultur nur auf Basis von echten Überzeugungen aufbauen lässt: Ohne Offenheit für Neues und Vertrauen als grundlegende Haltungen bleiben die oben genannten Rahmenbedingungen eine wacklige Fassade.

Offenheit für Neues und Vertrauen bilden das Fundament

Jede Idee muss auch auf einen Boden fallen, auf dem die Saat aufgehen kann. Wenn neue Ideen nicht ernst genommen werden, wenn keine echte Auseinandersetzung dazu stattfindet, dann ist auch nur wenig Entwicklung möglich. Es geht ja nicht darum, nur pro forma Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeiterzufriedenheit zu implementieren, sondern tatsächlich kreatives, selbstwirksames Arbeiten zuzulassen und zu fördern.

  • Aufgeschlossenheit und Bereitschaft, in den Entwicklungsprozess einzusteigen
    Die Basis hierfür ist eine dem Neuen und Veränderungen gegenüber aufgeschlossene Grundhaltung aller  Mitarbeiter  – einschließlich der Geschäftsführung. Selbstverständlich ist nicht alles, was neu ist, per se gut. Es ist aber auch nicht grundsätzlich schlecht. Die wertvollen Elemente einer Idee heraus zu kristallisieren, problematische Aspekte zu lösen und weniger praktikable Wege zu umgehen: Darum geht es in einem Entwicklungsprozess. Ohne die echte Bereitschaft aller Beteiligten, Denkaufwand zu betreiben, Geduld zu üben, Kritik zuzulassen und zu lernen, wird sich eine neue Idee – so gut sie auch sei – nicht in einer Innovation realisieren lassen.
  • Vertrauen und Zutrauen
    Nicht minder wichtig ist es, den Mitarbeitern zu vertrauen. Ein vertrauensvolles Klima gewährleistet, dass Freiheit und Flexibilität als Rahmenbedingungen überhaupt gedeihen können. Denn Vertrauen in die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter ersetzt stetige Kontrolle und Regulierung. Wer als Arbeitgeber dieses Vertrauen aus Angst vor Missbrauch nicht in seine Mitarbeiter investiert, wird sie auch kaum dazu motivieren können, [selectivetweet]Netspirits: Aufgeschlossenheit und Vertrauen sind das Fundament einer innovativen Unternehmenskultur[/selectivetweet]sich in kreativen Prozessen anzustrengen und mehr in das Unternehmen zu investieren, als die Bereitschaft zum bloßen Abarbeiten. Vertrauen heißt auch, den Mitarbeitern zuzutrauen, dass sie die entwickelten Ideen erfolgreich in eigenen Projekten umsetzen können. Aus unserer Sicht spricht nichts dagegen, dass jeder Mitarbeiter – unabhängig von seiner Position –  auch grundsätzlich ein Projekt in Eigenregie durchführen kann und dabei sowohl von der Geschäftsführung als auch von anderen Kollegen unterstützt wird. Natürlich ist derjenige, in dessen Kopf die Idee geboren wurde, sehr daran interessiert, das „eigene Baby“ bestmöglich groß zu ziehen. Gelingt das, ist das nicht nur ein Erfolg für den einzelnen Mitarbeiter, sondern auch für das Unternehmen. Und Erfolg ist für alle Beteiligten ungeheuer motivierend.

Lösungsorientierte Fehlertoleranz statt Schulddiskussionen

Und wenn es zu Fehlern kommt? Die hinter dieser Frage stehenden Bedenken sind vielleicht eines der größten Hindernisse, das Aufgeschlossenheit und Vertrauen als Eckpfeiler einer neuen Unternehmenskultur im Wege steht. Wenn etwas schief läuft, kann das ein Unternehmen viel Geld kosten. Angesichts einer langen Geschichte von Rückrufaktionen und anderen Pannen beispielsweise in der Medizintechnik, der Automobil- oder auch der Lebensmittelindustrie zeigt, dass Fehler zu folgenschweren Konsequenzen führen können,  – aber auch, dass sie sich trotz modernster Kontrollverfahren und detaillierter Qualitätssicherung nicht gänzlich ausschließen lassen. Je neuer und je weniger getestet ein Produkt ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendetwas nicht exakt so funktioniert wie prognostiziert. Die Entwicklung von Neuem ist ein Prozess des Irrens, des Lernens, des Verbesserns und des – manchmal geduldfordernden – Optimierens. Für diesen Prozess auf dem Weg zu einem wirklich guten, neuen Produkt braucht der Verantwortliche auch die Möglichkeit, aus Fehlern lernen zu können. Damit dieser Raum zur Verfügung gestellt werden kann, muss auch im Bereich der Fehlerkultur umgedacht werden: Statt einer Kultur schuldorientierter Diskussionen, die den Fehler nicht beseitigen, ist doch ein lösungsorientierter Ansatz des fehlertolerierenden Lernens nicht nur motivierender für den Mitarbeiter, sondern auch für das Unternehmen zielführender.

Und die Moral von der Geschicht‘? Ohne Neues geht es nicht!

Wir nehmen bei netspirits Handlungsspielräume und Eigenverantwortung als wichtige Faktoren zur Kreativitätsförderung ernst. Dass diese Faktoren sich nun einmal starren Strukturen und minutiöser Planung entziehen, liegt in der Natur der Dinge. Darin liegt ein Risiko und das muss auch so sein. Denn ganz am Anfang einer jeden wirklich guten Erfindung stand eine Idee, die alles in Frage stellt. Und so ist das mit der Kreativität: Sie nährt sich aus der Abweichung vom Bekannten und bringt immer das0 Risiko des Neuen, noch Unbekannten mit sich.

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